Firmenbesuch der Klasse UP6Rüti bei der Firma dormakaba

19. Juli 2024

Geschrieben vom Studierenden Filip Zeko

Am 21.12.2022 besuchten wir als Klasse gemeinsam die Firma dormakaba. Das Hauptthema an diesem Abend war das Produktmanagement in unserem Unternehmen.

Gegen 16.15 Uhr trafen die ersten Kolleginnen und Kollegen ein. Die Parkkarten wurden verteilt und es blieben noch ein paar Minuten, um sich darüber auszutauschen, wer was an diesem Tag bei der Arbeit erlebt hat, bis gegen 16:30 Uhr auch der Letzte eintraf.

Pünktlich wurden wir im Präsentationsraum empfangen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde teilten wir uns in zwei Gruppen auf.

Unsere Produktion ist in zwei Etagen aufgeteilt. In der unteren Etage befindet sich die Vorfertigung der Schlüssel sowie die Fertigung von Halbfabrikaten und eine Galvanik für die Beschichtung von Schlüsseln und Zylinder. In der Vorfertigung werden die Schlüssel zwar gestanzt und vorbearbeitet, aber nicht mit kundenspezifischen Merkmalen versehen. Diese erhalten unsere Produkte in der oberen Etage. In Sachen Digitalisierung hat dormakaba in den letzten Jahren Grosses geleistet. Ein grosser Teil des Maschinenparks stammt aus eigener Produktion. Die Maschinen wurden selbst entwickelt und gebaut. Die Anlagen wurden im Laufe der Zeit ständig optimiert und verbessert.

Die Anlagen arbeiten vollautomatisch und unbemannt. Roboter holen die Schlüsselrohlinge, die in der unteren Etage gefertigt und hier in Magazinen vorgehalten werden, ab und bestücken die Maschinen. Später wird der Schlüssel mit seinem Schloss „verheiratet“. Jedes Exemplar ist einzigartig. Wie erwähnt, stammen diese Maschinen aus dem hauseigenen Maschinenbau, hier entwickelt und gebaut.

Zu den EAD-Produkten gehören Kartenleser, Ausweissysteme, elektronische Zutritte, Stempeluhren und natürlich unsere Schliesssysteme wie Schlösser, die aber nicht rein mechanisch funktionieren, sondern ein elektromechanisches System haben.

Nach einem spannenden Rundgang trafen wir uns wieder im Präsentationsraum. Dort hatte Stefan Greil etwas für uns vorbereitet. Stefan Greil leitet seit einigen Jahren in Wetzikon ein Team im Bereich Digital- und Mechatronikprodukte. In einer Fragerunde  beantwortete Herr Greil uns zudem kompetent verschiedene Fragen zum Produktmanagement.

FRAGERUNDE

F: Stefan, wie werde ich Produktmanager?

A: Produktmanager kann man nicht klassisch erlernen, sondern es ist ein Quereinstieg. Eine breite Erfahrung und Know-How sind nötig, um die vielen Aspekte des Produktmanagements abzudecken. Fehlende Skills und Werkzeuge kann man aber mit Aus- und Weiterbildungen erlernen.

F: Wie seht ihr euch als PM Organisatorisch eingegliedert?

A: Als PM sehen wir uns als eine Art Unternehmer in der Unternehmung. Wir sind innerhalb der ganzen Organisation für den ganzen Lifecycle des anvertrauten Portfolios verantwortlich und achten auf die Rentabilität.

F: Wie sieht die Abgrenzung zwischen PM & Marketing aus?

A: PM: Bestimmt das Zielsegment und stellt den entsprechenden Kundennutzen dar. Welches Problem wird gelöst (Pain)? Was für ein Mehrwert für den Kunden wird durch die Lösung/das Produkt sonst noch generiert (Gain)? Diese Informationen gibt der PM dem Marketing weiter.

A: Marketing: Versucht den Kunden mit einer Message im richtigen Segment direkt zu erreichen und wählt dafür die besten Kommunikationsmittel. Dabei ist es wichtig, dass man «die Sprache» des Kunden spricht, die Messages immer einfach und klar sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben.

F: Wie sieht dein Alltag aus und wo liegt der Fokus?

A: Der Fokus liegt auf dem ‘’was’’ und nicht auf dem ‘’wie’’. Man versucht immer, die Anwendungsfälle einer Kundengruppe zu verstehen und welches ursächliche Problem man beheben will. Wenn z.B. einen grösseren Türgriff gefordert wird, dann ist es wichtig herauszufinden, weshalb er diesen benötigt und wieso ein kleinerer nicht genügt. Gibt es eine bessere oder alternative Lösung? Und ist das Ganze auch rentabel? Um das dann schnell grob zu klären, kann man Werkzeuge wie «Business Canvas» zusammen mit einem kleinen «Business Case» nutzen. Die definierten Anforderungen («was») werden dann an die benötigten Fachspezialisten (zb Entwicklung) übergeben, welche die genaue Lösung («wie») definieren und umsetzen.

Man weiss als PM sehr viel zu allen Aspekten rund um das Portfolio und gilt dadurch als primärer Ansprechpartner für viele Themen. Für das Zeitmanagement im Alltag ist es deshalb wichtig, eine Abgrenzung zu machen, für was man selbst zuständig ist und was durch andere Organisationseinheiten erledigt werden muss. Ebenso wichtig ist es, für alle Beteiligten Transparenz zu schaffen mittels Kommunikation und vereinfachten Darstellungen von Sachverhalten, Fortschritte zu verifizieren und die vielen Aktivitäten zu priorisieren.     

F: Was sind deine grössten Herausforderungen?

A: Es gibt sehr viele Aktivitäten rund um ein Produktportfolio, welche parallel laufen. Da ist es wichtig, den Aufwand, Nutzen und Deadlines richtig einzuschätzen und diese Aktivitäten dann entsprechend zu priorisieren. In der aktuellen Marktsituation ist die Wahrung der Rentabilität und Verfügbarkeit eine Herausforderung. Auch der Blick in die Zukunft in einem Horizont von 5-10 Jahren ist nicht einfach, damit Trends frühzeitig erkannt und das Offering langfristig darauf ausgerichtet werden kann.     

F: Was sind deiner Meinung nach die grössten Herausforderungen für einen PM in der Zukunft?

A: Die globale Vernetzung intern und extern ermöglicht neue Wege, wie ein Offering «designed» werden kann. Eine schnelle und effiziente Umsetzung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. «Make or Buy» Entscheidungen und das Zusammenstellen von vorhandenen Funktionsteilen zu neuen Offerings werden vermehrt zunehmen. Der Kunde sieht am Schluss nicht, wie ein Produkt oder eine Lösung zustande gekommen ist, sondern den Nutzen und die Qualität über die erwartete Betriebsdauer zum Preis, den er zu zahlen bereit ist.

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Es war eine sehr lehrreiche Veranstaltung. An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der Klasse ‘’UP6ARUE-20F’’ für den großartigen Fachvortrag durch Stefan Greil und die Betriebsführung durch Christoph Kunz und Stefan Nagel bedanken. Auch dir Adi für den lehrreichen und spannenden Unterricht und die großartige Idee diesen Anlass durchzuführen, ein ganz persönliches Dankeschön. Herzlichen Dank!